Tag 3: Male das schlechteste Bild der Welt

Was war dein Grund, bei dieser Challenge mitzumachen? Bist du nur deshalb eingestiegen, weil du wirklich einmal 5 Minuten täglich für dich selbst aufwenden möchtest? Oder hattest du auch den Gedanken im Hinterkopf, etwas Schönes zu erschaffen? 

Viele, die das Wort „Kreativität“ hören, verbinden damit: etwas Schönes machen. Elizabeth Gilbert. die Autorin von „Eat, pray, love“ und dem wunderbaren Kreativi­tätbuch „Big magic“ spricht von dem Wunsch in uns allen, einen Stuhl – nur, um ein Beispiel zu nennen – schöner zu gestalten als er notwendigerweise sein müsste. 

Ich wette, mit dem Ansatz, dein 14-Tage-Projekt soll schön werden, bist auch du gestartet am Montag.

Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Absolut gar nichts. Ich wäre die letzte, die etwas gegen „Schönheit“ sagt. Schönheit ist auch für mich ein Lebenselixier. Die Sache ist nur die: es kann sein, dass du den kreativen Fluss, der aus dir herauswill, mit dem Anspruch an eine gewisse Ästhetik hemmst.

Frag dich einmal: woran misst du, was schön ist und was nicht? Empfindest du das, was aus dir kommt – egal, was es ist – als schön? Oder legst du Maßstäbe an, die von woanders kommen, von den tollen Sachen, die du auf Pinterest bewunderst, die du in einer Zeitschrift gesehen hast oder in einem Laden für Wohnungsdekoration? Was, wenn das, was aus dir herauskommt, mit deinen „angelernten“ Ansprüchen an Ästhetik und Schönheit nicht übereinstimmt?

Solltest du da eine Diskrepanz bemerken, dann gibt es einen Weg, damit um­zugehen, ohne in Selbstzweifel zu verfallen: 

Erlaube dir, das schlechteste Bild der Welt zu malen!

Akzeptiere ohne Vorbehalt alles, was aus dir herauskommt. Vergiss Moden, Styles, Trends! Liebe das, was du erzeugst, bedingungslos. Spüre jeden Strich und folge ihm mit all deiner kindlichen Neu­gier. Wohin führt dich der nächste Strich? Nur der ist wichtig und das, was du damit anfängst. Auf das Ergebnis kommt es nicht an. Niemand verlangt von dir, dass du ein Meisterwerk erschaffst. Gerade dann, wenn du noch am Anfang stehst mit deiner kreativen Tätigkeit, ist es eine ungeheure Erleichterung, erst einmal „schlecht“ malen/stricken/schnitzen zu dürfen.

Ein Klavierspieler übt ein Stück Stunde um Stunde, bevor er es vor Publikum aufführt. Niemand hört die nicht getroffen­en Töne, die abgebrochene Melodie, das Fluchen und Hadern, wenn eine Tonfolge nicht gelingen will.

So darf es uns auch mit dem Malen, Stricken, Schnitzen, Nähen, Doodeln sein. Was wir hier machen, ist eine Übung. 5 Minuten lang. Es muss nicht einmal jemand zu Gesicht bekommen, was wir hier erschaffen. Das ist nur für uns!

Schreibimpuls: Der Weg ist das Ziel

Wenn du jetzt schon hier bist an deinem Kreativplatz, nimm dir dein Notizbuch zur Hand und schreib 5 Minuten lang darüber, wie du dir den krea­tiven Prozess noch angenehmer gestalten kannst, sodass der Prozess allein schon so erfüllend und nährend für dich ist, dass das Ergebnis am Ende gar keine große Rolle mehr spielt. 

Mir gefällt dieser Schreibimpuls gerade so gut, dass ich ihn selbst aufnehmen werde und über meinen Prozess schreiben.

Denn ich bekenne: ich bin auch noch sehr ergebnisfixiert und lege das erst Stück für Stück ab. Das Perfide daran: wenn wir zeigen, was wir erschaffen, beispielsweise in der Malfreunde-Gruppe auf Facebook, sehen andere nur das Ergebnis, niemals den Prozess, wie das Bild zustande kam. Das finde ich sehr schade und ich frage mich, wie ich das ändern könnte.