Bist du Herrin oder Sklavin deiner Gedanken?

(Foto: Luzifer/Pixabay)

„War nur so ein Gedanke!“ 

Den Satz hast du bestimmt auch schon einmal gesagt, oder? Vermutlich in einer Situation, als du etwas vorgeschlagen, eingewendet, angemerkt hast, das dann nicht ernst genommen wurde von deiner Zuhörerschaft. Und vielleicht warst du ein bisschen beleidigt, vielleicht aber hast du es mit Gleichmut akzeptiert oder sogar selbst abgewunken, weil du schon weißt: es war tatsächlich nur ein Gedanke. 

Bravo, du Meisterin deines Hirns!

Denn für gewöhnlich nehmen wir selbst ziemlich ernst, was da so in unserem Kopf vorgeht. Und da oben ist eine Menge los. Unentwegt jagen uns Gedanken durch den Kopf. Das Hirn beschäftigt sich selbst, dazu ist es da. Vor allem ist es für uns da. Was sich da oben in den grauen Zellen abspielt, ist das Hin- und Herschicken von Ein­drücken, Wahrnehmungen, Empfin­dungen, die unser Him tagtäglich so registriert. Während unser Bewusst­sein etwa 40 Dinge pro Sekunde bemerkt, speichert das Unterbewussten um und bei 500 mal so viel ab. Der ganze Kram, der uns täglich widerfährt, muss ja irgendwohin. Und so jagen diese Reize und Eindrücke durch die Nervenbahnen unseres Gehirns, benutzen alte Verbindungen, erschaffen neue, bis das Ganze, verknüpft mit all unseren Erfah­rungen und Beurteilungen, irgend­wo abgespeichert wird. Da wir Menschen so schlau sind und Sprache benutzen, können wir den Kommunikationsfluss in unseren Köpfen sogar hören.

Gruselig, oder?

All das passiert auch in Gehirnen anderer Lebewesen, allerdings unsprachlich. Nur der Homo sapiens sapiens – so jedenfalls mein Wissensstand – verfügt über die Gabe, seine Gedanken in Form von Worten mitzuteilen.

Was wiederum praktisch ist.

Durchaus. Ja. Wir sind halt mega-intelligent im Gegensatz zu Guppys. Und doch, es gibt eine Sache, die Guppys uns voraus haben: sie machen aus dem Gewirr in ihren Hirnen keine große Sache. Anders als wir Menschen. Unser Gehirn flüstert einen Gedanken/eine Beurteilung wie „der Nachbar hat gestern so komisch geschaut“, und schon tickert ein Rattenschwanz an weiteren Gedanken hinterher. Am Ende stehst du beim Nachbarn vor der Tür, klingelst Sturm und knallst ihm entgegen, sobald er die Tür geöffnet hat, er möge seinen Scheiß-Hammer behalten! (Nachzulesen ist die ganze Kette der dazwischenliegenden Ge­danken in Paul Watzlawicks Klassiker „Anleitung zum Unglücklichsein“.)

Darauf läuft es letzten Endes meis­tens hinaus: auf die eigenen Ge­danken zu hören, sie allzu ernst zu nehmen, macht unglücklich. Was da in Form von versprachlichtem und deshalb erkennbarem Synapsenrauschen (auch „monkey mind“ genannt) in deinem Bewusstsein ankommt, ist zu 70 % nutzlos, irrelevant, redundant. Gedanken kreisen gerne, immerhin ist der Kopf rund. Das kennst du wahrscheinlich? Wenn es dir gut geht, macht das nichts, dann hört das Kreisen auch wieder auf. Vielleicht raubt dir dieses Gedankenkarussell aber auch den Schlaf. 

Etwa 20 % deiner Gedanken sind pures Gift. Hier spricht der innere Kritiker, der Feind in deinem Kopf, der Terrorist, der dir sagt, was für ein Versager du doch bist, der dich antreibt, der dir all deine Fehler aus der Vergangenheit unter die Nase reibt, der dir zubrüllt: das schaffst du nie! Du bist zu nichts nutze. Wer glaubst du eigentlich, wer verdammt noch mal du bist? 

Puh! Das ist heftig!

Bloß circa 5 % all dessen, was in deinem ach so schlauen Hirn vorgeht, sind hilfreiche Gedan­ken, positive, bestärkende. 

Mehr nicht? Das kann doch nicht sein!

Oh doch. Genau so verhält es sich – individuell gesehen vielleicht in unterschiedlicher Gewichtung.

Herrscherin oder Sklavin? Was möchtest du sein?

Du kannst herausfinden, wie deine Gedanken strukturiert sind, indem du innehältst und ihnen zuhörst.

Sei darauf gefasst: in dem Moment, da du beschließt, genau das zu tun, wirst du erst mal gar nichts hören. Puff! Alle Gedanken sind weg! (Was übrigens eine tolle Übung ist, wenn der Terrorist in deinem Kopf dich wieder mal fertigmacht und dir den Schlaf raubt.) Irgendwann kommt dann aber doch der erste Gedanke. Unausweichlich. Statt ihm zu folgen, kannst du ihn einfach mal beobachten und schauen, was passiert, wenn du nicht reagierst. 

Ist er geblieben, der Gedanke?

Nein. Ist er nicht. Er hat sich verflüchtigt, wie all seine Vorgänger, und dann kam der nächste.

Ist etwas passiert, weil du den Gedanken nicht beachtet hast?

Nein. Nichts ist passiert.

Guuuuuut!

Auf diese Weise analysiere eine Weile lang, vielleicht täglich zwei, drei Minuten, was in deinem Schädel so alles vor sich geht. Das kann wirklich spannend und aufschlussreich sein. Besonders erhellend wird es, wenn du deinen Gedanken ein Etikett verpasst. War es eine Sorge, eine Erinnerung, ein Vorhaben, eine Beschimpfung, ein Lob, ein Urteil? 

Das Thema, das mich in den vergangenen Tagen beschäftigt hat und weswegen ich mich ziem­lich gestresst gefühlt habe, war meine unablässige Hektik. Den ganzen Tag über fühlte ich mich gehetzt, auf dem Sprung, konnte mich nicht auf eine Sache konzentrieren. Nur in der Meditation kam ich zur Ruhe – zumindest äußerlich, inwendig schickte ich einen Gedan­ken nach dem anderen seiner Wege. Beim Malen fand ich ebenfalls Ruhe, da haben die Gedanken tatsächlich Pause und nichts zählt außer Farben, Pinsel, das Bild. Vor ein paar Tagen in der morgendlichen Meditation ist mir endlich etwas aufgefallen: fast alle meine Gedanken waren Planungen. „Ich muss dies noch erledigen und dann das noch und jenes“ – heute noch, am besten sofort. Es hat mich ganz schön Energie gekostet, nicht sofort aufzuspringen. 

Denn genau das hatte ich die vergangenen Tage davor nach der Meditation getan: ich war losgerannt und hatte die To-Do-Liste, die mir mein Hirn aufgetragen hat, in die Tat umgesetzt. So war ich oft morgens um neun schon vollkommen außer Puste. Mein Adrenalin- und Cortisolspiegel waren mit Sicherheit jenseits von Gut und Böse.

Ich wollte nicht, dass das so weitergeht. Ich erkannte, dass mein Gehirn mich vollkommen im Griff hatte. Ich war eine Sklavin meiner Planungs-Gedanken.

Dagegen habe ich etwas unternommen.

Was, fragst du dich jetzt bestimmt?

Es ist eigentlich ganz einfach. Weißt du, was das Tolle ist an all diesen Gedanken? Wir kön­nen sie zwar nicht kontrollieren oder gar abstellen, aber wir können selbst bestimmen, wie wir darauf reagieren. Es sind Gedan­ken, klar. Es steckt eine Menge Energie darin. (Gedanken sind reine Energie, aber dazu schreibe ich ein anderes mal mehr.) Und wenn ich Herrin im eigenen Haus sein will, sprich: in meinem Kopf, in meinem Körper und in meinem Leben, dann be­stimme ich, wofür ich meine Energie einsetze. Niemand sonst. Kein anderer Mensch und schon gar nicht mein Gehirn!

Intellektuell wusste ich schon lang, dass meine Gedanken meine Realität erschaffen. Doch an die­sem Morgen, als ich dem Strudel von Plänen lauschte, wurde mir glasklar, auf welche Weise das in puncto Hektik bei mir geschieht (und in so vielen anderen Bereichen genauso). Also beschloss ich, von nun an mein Gehirn zu benutzen, anstatt mich von ihm benutzen zu lassen.

Dieser Entschluss war solch eine Erleichterung! Mir liefen fast die Tränen vor Freude.

Seitdem, wann immer solche „ich muss noch“-Gedanken auf­kommen, sei es in der Medita­tion oder den Tag über, und ich den Impuls spüre, sofort auszuführen, was mein Hirn mir auftragen will, sage ich mir: „alles gut, war nur so ein Gedanke“. Ich bedanke mich bei ihm, schreibe ihn vielleicht auf, wenn er nützlich war, und fahre fort mit dem, womit ich gerade beschäftigt bin.

Womit macht dein Kopf dich gerade wahnsinnig? Horch doch bei Gelegenheit mal hin, und wenn du deinem Gehirn auf die Schliche gekommen bist, sagst du zu dir selbst: „War nur so ein Gedanke“. Benutze dein Gehirn, damit es nicht dich benutzt.

Tu es! Vielleicht wird es ja gut. 

Deine Andrea ♥️

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